BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Braunschweig

Braunschweig Familienstadt: Zukunftschancen von Anfang an.

Kapitel 5 - Kommunalwahlprogramm 2026

Braunschweig soll eine Stadt sein, in der Kinder und Jugendliche nicht nur leben, sondern ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Wir wollen eine familienfreundliche Stadtgesellschaft, die soziale Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel ermöglicht und Räume schafft, in denen sich junge Menschen frei entfalten können.

Kinder stehen für uns im Mittelpunkt. Jedes Kind ist unterschiedlich, aber gleichermaßen wertvoll und muss umfassend gefördert werden. Die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen sind heute so divers wie nie. Kinder wachsen oftmals in multiplen Problemlagen auf. Kinderschutz in allen Bereichen ist gefragter als jemals zuvor. Für uns hat deshalb Kinder- und Jugendpolitik eine herausragende Bedeutung.

1. Bildung und Betreuung: Verlässlich, modern und nah am Wohnort

Eine gute Betreuung ist der Grundstein für Chancengerechtigkeit. Wir wollen dabei eine hohe Qualität und gleichzeitig auch Verlässlichkeit in der Betreuung erreichen.

Kinderbetreuung - Standorte erhalten, Qualität stärken:

Trotz vorübergehend sinkender Kinderzahlen halten wir an allen Einrichtungen fest. Jedem Kind muss ein Platz in einer Einrichtung oder in der Tagespflege möglichst wohnortnah zur Verfügung stehen. Die aktuelle Situation wollen wir gezielt dazu nutzen, um die Qualität der Betreuung zu erhöhen.

Kindertagespflege stärken - Wertschätzung und Verlässlichkeit:

Wir setzen uns insbesondere bei der U3-Betreuung für faire Bedingungen ein. Das bedeutet für uns: eine angemessene Vergütung, ein unbürokratischer, wertschätzender Umgang mit den Tagespflegepersonen sowie ein geregelter Kita-Übergang erst zum neuen Kita-Jahr, um Stabilität für Kinder und Einrichtungen zu garantieren.

Fachkräftemangel bekämpfen – Verlässliche Betreuung sichern:

Wir begegnen dem Personalmangel durch den gezielten Ausbau dualer Ausbildungsplätze. Unser Ziel ist eine absolut verlässliche Kinderbetreuung über den gesamten Zeitraum. Hierfür müssen alle kommunalen Spielräume voll ausgeschöpft werden, damit zeitweise Schließungen, verkürzte Betreuungszeiten und Notdienste die absolute Ausnahme bleiben.

Kitas sind Bildungseinrichtungen:

Wir müssen die Sprachbildung im Kita-Alltag stärken, die Sprachförderung durch spezielle Programme ausbauen und die Kompetenzen der Kinder fördern, die laut Niedersächsischem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung erforderlich sind. So stellen wir sicher, dass alle Kinder zu Beginn der Schulzeit gut vorbereitet sind und die bestmöglichen Startbedingungen haben.

Gesunde und bezahlbare Ernährung:

Jedes Kind soll ein gesundes Mittagessen erhalten, das für alle bezahlbar ist. Unser Ziel ist, dass ein Mittagessen in einer Kita oder Einrichtung nicht teurer angeboten wird, als die Herstellung zu Hause kostet. Langfristig wollen wir ein kostenfreies Mittagessen für alle Kinder.

2. Kinderrechte und echte Mitwirkung

Kinder und Jugendliche sind Expert*innen in eigener Sache. Wir wollen, dass Braunschweig offiziell als „Kinderfreundliche Kommune“ zertifiziert wird und ihre Rechte fest im städtischen Handeln verankert werden.

Starke demokratische Teilhabe:

Wir setzen uns für den dauerhaften Erhalt und die Weiterführung des Jugendbüros inkl. des städtischen Fachpersonals und des Jugendparlaments ein. Die Immobilie am Standort in der Friedrich-Wilhelm-Straße 3 können wir uns bei passenden Konditionen als langfristigen Standort vorstellen. Junge Menschen müssen die Möglichkeit haben, politische Prozesse direkt zu beeinflussen. Deshalb machen wir ihre Beteiligung zur verbindlichen Voraussetzung für alle Entscheidungen, die ihre Interessen betreffen. Dazu gehört auch, dass das Jugendparlament in den Fachausschüssen im Rat der Stadt vertreten ist. Wir streben eine integrierte Beteiligungslandschaft in Braunschweig an, in der verschiedene Jugendbeteiligungsformate zusammengreifen und gemeinsam die Perspektiven in die Stadtpolitik einbringen.

Kontinuierliche Beteiligung:

Bei der Gestaltung von Spiel- und Jugendplätzen setzen wir auf eine kontinuierliche Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Sie wissen am besten, ob eine Kletterwand, ein Parcour-Element oder ein BMX-Platz gebraucht wird.

Kinderrechten Raum geben:

Wir orientieren uns an den Kinderrechten der Vereinten Nationen. Wir wollen unser Vorgehen an den Maßstäben der Kinderrechte orientieren und mit einem Ort der Kinderrechte ein deutliches Zeichen setzen.

3. Hilfen zur Erziehung, Präventionsarbeit und Kinderschutz

Gerade in Zeiten knapper Kassen darf es keinen Rückzug aus der sozialen Verantwortung geben – wir stehen für eine verlässliche und schützende Begleitung junger Menschen in Braunschweig.

Präventive Arbeit ausbauen:

Angesichts zunehmender Herausforderungen wie Sucht- und Drogenproblemen, psychischen Belastungen, Gewalt und sozialer Isolation stärken wir die Prävention in allen Feldern der Jugendhilfe. Wir bauen frühzeitige Unterstützungsangebote aus, insbesondere in den Bereichen Suchthilfe, mentale Gesundheit und Gewaltprävention. Unser Ziel ist es, den gesellschaftlich gravierenden Auswirkungen und hohen Folgekosten frühzeitig entgegenzuwirken und jungen Menschen stabile Zukunftsperspektiven zu bieten.

Netzwerke und Trägervielfalt sichern:

Wir setzen auf den Ausbau des Netzwerks Kinderschutz und der „Frühen Hilfen“ im Jugendamt. Dabei ist der Erhalt unserer vielfältigen Trägerlandschaft unverzichtbar, um eine breite Unterstützung und ein differenziertes Angebot für Familien dauerhaft vorzuhalten.

Schutzräume und Qualität garantieren:

Wir fordern zusätzliche Kapazitäten für die Inobhutnahme sowie den Ausbau ambulanter und stationärer Maßnahmen. Trotz der Finanznot Braunschweigs darf die Qualität der Jugendhilfe nicht zum „Steinbruch“ werden – Verlässlichkeit im Kinderschutz hat für uns oberste Priorität.

4. Freiräume und soziale Teilhabe

Junge Menschen brauchen Orte, an denen sie sich ohne Konsumzwang aufhalten können. Gleichzeitig müssen wir Familien finanziell entlasten.

Modernisierung von Spiel- und Begegnungsorten:

Wir setzen uns für die konsequente Sanierung und Modernisierung von Spiel- und Jugendplätzen ein. Dabei fördern wir auch Generationenspielplätze, die Jung und Alt zusammenbringen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ermöglichen.

Jugendkultur fördern:

Wir machen uns für die priorisierte Sanierung des Jugendzentrums B58 stark. Wir setzen uns für höhere Finanzmittel und eine erneute Prüfung eines potenziellen Neubaus ein, um dieses wichtige kulturelle Zentrum zu erhalten. Die Modernisierung oder der Neubau dieses wichtigen kulturellen Zentrums darf nicht an den notwendigen Finanzmitteln scheitern und Jahr für Jahr verschoben werden.

Freiräume für junge Menschen:

Bei der Stadtentwicklung setzen wir uns dafür ein, unreglementierte Räume für Jugendliche mitzudenken. Junge Menschen brauchen Plätze in allen Bereichen der Stadt, an denen sie einfach „sein“ dürfen. Außerdem wollen wir selbstverwaltete Jugendräume und Projekte in Jugendzentren stärken und insbesondere die Mitbestimmung in der (offenen) Kinder- und Jugendarbeit ausbauen.

Urlaub und Freizeit ermöglichen:

Wir setzen uns für eine stärkere Subventionierung von Ferienfreizeiten ein, damit auch Kinder aus einkommensschwachen Familien teilnehmen können. Daher unterstützen wir weitere Sanierungen am Jugendzeltplatz Lenste.

5. Soziale Gerechtigkeit und Mobilität

Gute Politik für Familien bedeutet auch, finanzielle Barrieren abzubauen und den Alltag bezahlbar zu machen.

Kampf gegen Kinderarmut:

Wir setzen uns für die konsequente Umsetzung und die Aktualisierung des „Handlungskonzepts Kinderarmut“ ein. Angesichts der Zunahme der Kinder- und Familienarmut und der daraus resultierenden Folgen, brauchen wir ein Konzept, das bei allen für Kinder und Familien wichtigen Entscheidungen auch die Armutssensibilität prüft und Zugänge ermöglicht. Dabei sollen auch Eintritte in öffentliche Einrichtungen, wie Museen und Schwimmbäder, Berücksichtigung finden.

Bezahlbarer Alltag für Familien und Sorgegemeinschaften:

Wir wollen, dass der Alltag für Familien, Alleinerziehende und andere Sorgegemeinschaften verlässlich und bezahlbar bleibt. Dazu gehören gute Betreuung und Bildung ebenso wie bezahlbare Mobilität, Energie und Freizeitangebote. Wir setzen uns für kurze Wege, gut erreichbare Infrastruktur und gezielte Entlastungen ein. Angebote wie die Jugendferiencard wollen wir einführen und weitere Ermäßigungen stärken und ausbauen, damit Teilhabe im Alltag für alle möglich ist.

 

Hier kannst du ganze Kapitel als PDF runterladen: Kapitel 5: Braunschweig Familienstadt: Zukunftschancen von Anfang an.


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