BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Braunschweig

Mensch und Umwelt im Fokus: Braunschweig wird fit für die Klimazukunft.

Kapitel 1 - Kommunalwahlprogramm 2026

Die Klimakrise ist auch in Braunschweig längst spürbar. Viele Menschen merken das direkt im Alltag, wenn die Sommer heißer werden, Böden austrocknen oder starker Regen zur Belastung wird. Dabei geht es beim Klimaschutz nicht um etwas Abstraktes. Es geht um uns, um unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und darum, wie gut wir hier auch in Zukunft leben können. Für uns ist klar: Eine lebenswerte Stadt und der Schutz unserer Umwelt gehören zusammen. Klimaschutz und Klimaanpassung sind kein Selbstzweck. Sie helfen ganz konkret dabei, den Alltag für alle besser zu machen. Gleichzeitig geht es darum, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren, die Artenvielfalt zu schützen und verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen.

Wir machen unsere Stadt widerstandsfähig, mit mehr Grün, nachhaltigem Wassermanagement und einer spürbar höheren Aufenthaltsqualität. So entwickeln wir Braunschweig Schritt für Schritt weiter zu einem Ort, an dem jede*r auch morgen noch gut leben und sich wohlfühlen kann – im Einklang mit Natur, Umwelt und den Bedürfnissen der Menschen.

 

1. Mehr Grün, Wasser und Schatten für ein besseres Stadtklima

Wir wollen unsere Stadt so gestalten, dass sie gut mit den Folgen des Klimawandels umgehen kann. Dafür setzen wir auf Lösungen, die das Stadtklima verbessern und die Lebensqualität spürbar erhöhen. Grünflächen, Wasser und eine kluge Planung spielen dabei eine zentrale Rolle.

Das Prinzip der „Schwammstadt“:

Wir machen Braunschweig zum Wasserspeicher. Regenwasser soll versickern und gespeichert werden, statt ungenutzt abzufließen. Bei Neubauten und Sanierungen fordern wir verbindliche Standards für grüne Dächer, wasserdurchlässige Beläge und Regenwasserrückhalt - als Schutz vor Starkregenfolgen und zur Kühlung der Stadt.

Hitzeschutz als Querschnittsaufgabe:

Wir bereiten Braunschweig auf Hitzeperioden vor. Durch mehr Bäume, begrünte Fassaden, Trinkbrunnen und Wasserflächen schaffen wir Kühlung dort, wo Menschen zusammenkommen - in der Innenstadt, an Haltestellen und vor sozialen Einrichtungen. Diese Maßnahmen bündeln wir in einem stadtweiten Hitzeschutzkonzept.

Gesunde und regionale Ernährung fördern:

Wochenmärkte, Stadtteilgärten, Foodsharing, Ernährungsbildung und Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung wollen wir stärken. In städtischen Einrichtungen wollen wir den Anteil regionaler, saisonaler, biologischer und klimafreundlicher Lebensmittel erhöhen.

Grüne Lungen in der Innenstadt:

Wir reduzieren versiegelte Flächen konsequent. Am Schlossplatz und am Bohlweg setzen wir auf eine mutige Begrünung und Entsiegelung. Unter Berücksichtigung von Denkmalschutz und Veranstaltungsnutzung schaffen wir Schattenoasen und Grüninseln, die das Stadtklima verbessern und zum Verweilen einladen.

Pocket-Parks und Tiny-Forests:

Auch kleine Flächen bewirken Großes. Wir verwandeln graue Restflächen in lebendige kleine Parks oder kleine Wälder. Begrünte Innenhöfe und bepflanzte Baumscheiben verbessern das Mikroklima und die Wohnqualität direkt in den Quartieren. Sie steigern so die Attraktivität der Viertel und der Innenstadt insbesondere für Familien und Senior*innen.

Biologische Vielfalt - Lebensräume vernetzen und stärken:

Unser Ziel ist es, Braunschweig als Refugium für Tiere und Pflanzen zu sichern. Wir schaffen zusammenhängende Lebensräume statt isolierter Inselflächen. Wir sorgen für den Ausbau des Biotopverbunds durch den Ankauf von Flächen sowie durch das Schaffen grüner Korridore und naturnaher Randstreifen. Gleichzeitig entwickeln wir Parks und Grünanlagen als ökologische Vorbilder und setzen uns für eine naturnahe Pflege ein.

Naturnahe Gewässer:

Die fortschreitende Renaturierung von Gewässern im Stadtgebiet wollen wir weiter unterstützen. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Gleichzeitig erhöhen sich Erholungswert und Aufenthaltsqualität für alle Braunschweiger*innen.

Braunschweiger Wälder schützen und erweitern:

Wir wollen, dass städtische Wälder ökologisch und klimaresilient bewirtschaftet und Wildnisflächen gesichert werden. Zudem prüfen wir, wie Waldflächen im städtischen Eigentum erhalten, erweitert und besser mit Biotopen und Naherholung verbunden werden können.

Baumbestand sichern und ausbauen:

Wir entwickeln Maßnahmen für einen starken Baumschutz, um die grüne Überschirmung unserer Stadt zu bewahren. Wir wollen die Beratung zum Baumschutz und das Programm „Unser Baumreich(es) Braunschweig“ weiter ausbauen. Bei Bauprojekten setzen wir uns für eine positive Baumbilanz ein.

Baumschutzsatzung:

Wir setzen uns für eine Baumschutzsatzung zum Schutz großer und alter Bäume ein, wie sie in vielen Städten und Landkreisen bereits gilt. Sie soll Bäume auch auf privaten Flächen vor ungerechtfertigter Fällung schützen und sicherstellen, dass bei genehmigten Fällungen Ausgleichs- oder Ersatzpflanzungen erfolgen.

Erhalt von Streuobstwiesen:

Wir sichern wertvolle Biotope wie Streuobstwiesen und setzen uns für eine langfristige Pflege ein. Zudem setzen wir uns für Neupflanzungen, auch von Obstbäumen, auf städtischen Grünflächen ein.

Schottergärten umwandeln:

Die ohnehin verbotenen Schottergärten lehnen wir ab. Wir wollen, dass die Stadt Braunschweig Gartenbesitzer*innen entsprechender Gärten berät und die Umwandlung vorantreibt.

Ausgleichsflächen wirksam sichern:

Ausgleichsflächen dürfen nicht nur auf dem Papier bestehen. Wir wollen Pflege, ökologische Qualität und dauerhafte Funktion von Ausgleichsflächen dokumentieren, kontrollieren und langfristig sichern.

Pestizidfreie Stadt:

Die Stadt Braunschweig und ihre Gesellschaften sollen auf chemisch-synthetische Pestizide verzichten und ökologische Pflegekonzepte für Grünflächen, Sportflächen und Verkehrsflächen weiterentwickeln.

 

2. Umwelt, Artenvielfalt und Lebensqualität: Unsere Naturgüter schützen

Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist eine zentrale Aufgabe der kommunalen Politik. Wir bewahren die biologische Vielfalt, schonen Ressourcen und machen Natur für alle Braunschweiger*innen erlebbar - mit konkreten Maßnahmen, die vor Ort wirken und die Menschen mitnehmen.

Nachhaltigkeit vernetzen:

Das Nachhaltigkeitszentrum (NHZ) ist der Motor für lokale Klimaprojekte. Das vielfältige Engagement des NHZ für Themen wie Nachhaltigkeit, Energieberatung sowie die Information über Umwelt-, Klimaschutz und Ernährung in unserer Stadt wollen wir langfristig sichern und setzen uns für die dauerhafte Finanzierung dieser wichtigen Einrichtung ein.

Städtische Gesellschaften klimaneutral ausrichten:

Auch die städtischen Gesellschaften müssen ihren Beitrag zu einem klimaneutralen Braunschweig leisten. Wir wollen unseren kommunalen Einfluss nutzen, um Klimaschutz, Energieeffizienz und nachhaltige Investitionen konsequent voranzubringen. Das gilt insbesondere für BS Energy als zentralen Akteur der Energie- und Wärmewende in Braunschweig.

 

3. Natur erlebbar machen: Naherholung und Umweltbildung

Naturschutz wird dann wirksam, wenn Menschen ihn verstehen und vor Ort erleben können. Deshalb stärken wir Angebote der Umweltbildung und schaffen mehr Möglichkeiten, Natur im Alltag zugänglich zu machen.

Zentren der Umweltbildung:

Wir fördern Einrichtungen der Umweltbildung wie das Haus Entenfang und verknüpfen Renaturierungsprojekte mit Naherholung.

Stadtteilgärten fördern:

Wir unterstützen integrative Gartenprojekte und fördern das Engagement für lokale Ernährung und Gemeinschaft - unabhängig davon, ob bereits klare Trägerschaften bestehen oder sich neue Initiativen auf den Weg machen.

Starke Partnerschaften:

Wir sichern die zukunftsfähige Förderung der Naturschutzverbände und arbeiten eng mit Expert*innen vor Ort zusammen.

 

4. Kreislaufwirtschaft - Ressourcen klug nutzen

Ressourcen sind begrenzt, deshalb wollen wir ihren Verbrauch deutlich reduzieren und vorhandene Materialien besser nutzen. Mit einer starken Kreislaufwirtschaft im Sinne der „circular cities“ setzen wir auf Wiederverwendung, Reparatur und Recycling – und verankern diese Prinzipien auch direkt in den Stadtteilen, damit sie im Alltag leicht nutzbar sind.

Recycling leicht gemacht:

Wir setzen uns für mehr Abgabestellen für Elektroschrott und unkommerzielle Kleiderspenden innerhalb der Quartiere ein. Das Zuführen von Materialien und Produkten in eine weitere Verwendung oder „Entsorgung“ in die kommunale Abfallwirtschaft muss - als Kreislauf - unkompliziert sein. Die regionale Wiederverwendung und -aufbereitung gewerblicher Stoffströme fördern wir durch geeignete Maßnahmen in den Quartieren.

Teilen statt Kaufen:

Wir unterstützen die Einführung und Förderung von Tauschbörsen für wiederverwendbare Güter (wie Technikartikel, Baumaterialien u.s.w.), um gebrauchten Gütern ein zweites Leben zu schenken. Wir fördern den Ausbau von Repair-Cafés, in denen Alltagsgegenstände gemeinsam repariert werden, sowie von Büchertauschregalen im öffentlichen Raum und Pflanzentauschbörsen für Samen und Setzlinge. Darüber hinaus setzen wir uns für den Aufbau von kommunalen Leihstellen für Werkzeug und Technik ein. All diese Angebote stärken den Zusammenhalt in der Nachbarschaft und schonen Ressourcen.

Mehrweg statt Einweg:

Wir fördern Mehrwegsysteme sowie die systematische Umsetzung - auch bestehender Vorgaben. Um Verpackungsmüll zu reduzieren, setzen wir uns für die Einführung einer Verpackungssteuer ein.

 

5. Nachhaltige Landnutzung

Flächen sind eine begrenzte Ressource und stehen unter vielfältigem Nutzungsdruck. Wir setzen uns dafür ein, sie verantwortungsvoll zu nutzen und Natur, Landwirtschaft und Stadtentwicklung in Einklang zu bringen.

Ökolandbau fördern:

Wir stehen hinter den Zielen des „Niedersächsischen Weges“ und fordern einen konsequenten Ausbau des Ökolandbaus. Wir wollen, dass landwirtschaftliche Flächen im Besitz der Stadt ökologisch bewirtschaftet werden. Pachtverträge sollen dafür schrittweise in ökologische Bewirtschaftung überführt oder neu an entsprechend wirtschaftende Betriebe vergeben werden.

Kluger Flächenschutz:

Wir priorisieren Entsiegelung und den Schutz hochwertiger Böden. Bei Zielkonflikten mit dem Wohnungsbau setzen wir auf transparente und kluge Abwägungsprozesse gemeinsam mit den betroffenen Gruppen.

 

6. Tierschutz

Tiere sind Teil unserer Stadt und verdienen Schutz und Respekt. Wir setzen uns für einen verantwortungsvollen Umgang mit Haus- und Wildtieren ein und stärken den Tier- und Artenschutz vor Ort.

Ehrenamtliche Tierschutzbeauftragte:

Wir wollen, dass - ähnlich zu den „Naturschutzbeauftragten“ - ehrenamtliche Tierschutzbeauftragte eingesetzt werden. Wir stehen zum Verfassungsrang des Tierschutzes und wollen dazu mit der Verwaltung umfassende Tierschutzkonzepte entwickeln und umsetzen.

Stadttaubenkonzept:

Wir setzen uns für eine Verstetigung des Stadttaubenkonzepts ein. Dabei soll die Zahl der Stadttauben sanft reduziert werden und den hier bereits ansässigen Tieren ein tierschutzgerechtes Leben ermöglicht werden.

Solidarität im Tierschutz:

Wir stehen fest an der Seite der Tierschutzvereine und bündeln Förderungen, um eine wirksame Versorgung von schutzbedürftigen Tieren sicherzustellen und gleichzeitig die Arbeit der Vereine zum Gemeinwohl anzuerkennen.

 


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13.09.2026

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